Das Heft

Seit 1995 gibt die Altstadtinitiative Greifswald e.V. die Schriftenreihe "Haus für Haus" heraus.   Bei den ausgewählten Häusern handelte es sich um gefährdete oder kurz vor einer umfassenden Sanierung stehende Objekte. Ausführlich gehen die Autoren auf die Baugeschichte der Häuser und Ihrer Bewohner ein.

Steinbeckerstraße 27 – das Gerdes-Haus

Das Bürgerhaus wird 1616 als Eigentum von Thomas Gerdes erwähnt, war zu diesem Zeitpunkt aber bereits 200 Jahre alt. Mitglieder der Familie Gerdes finden wir an der Universität und als Bürgermeister der Stadt. Das viergeschossige giebelständige Haus öffnet sich auch heute noch mit zwei Schaufenstern zur Straße hin.
Ein interessantes Detail der Hausgeschichte ist, dass die damaligen Besitzer 1936 der jüdischen Gemeinde zwei Beträume im Anbau überließen.

Fischstraße 24 – ein altes Kaufmannshaus

Im 18. Jahrhundert kaufte der Kaufmann Carl Friedrich Pogge die an dieser Stelle stehenden drei bebauten Grundstücke und wollte sie zu seinem Alterswohnsitz umbauen.
Später wurde aus dem Kaufmannshaus ein Stadtpalais von Gutsbesitzerfamilien aus der Umgebung.

 

Baderstraße 1 – die Alte Apotheke

Nach der Wende erstrahlte die Alte Apotheke in neuem Glanz und beherbergt heute den Uni-Shop.
Älteste Teile des Hauses stammen aus dem 15.Jahrhundert und ist wohl das älteste noch stehende Fachwerkhaus in Mecklenburg und Vorpommern.

 

Bahnhofstraße 52 – die Peipersche Villa

Die Villa, so wie sie jetzt an dieser Stelle steht, wurde 1874/75 errichtet. Die Putzfassade ist gründerzeitlich gestaltet.
Zu den bekannten Mietern des Hauses gehörten die Universitätslehrer Gerstaecker, Bernheim, Kögel, Velhagen und Peiper.

 

Mühlenstraße 12 und 13 – nur noch Erinnerung

Die Häuserzeile zwischen Rakower Straße und Theodor-Pyl-Straße wurde noch Opfer des Flächenabrisses – Wohnhäuser mit einem Feinkostladen und dem Foto-Geschäft Batot gibt es nicht mehr, stattdessen der große Komplex mit der neuen Postfiliale, der Gaststätte „Poro“, kleinen Läden und Versicherungsbüros.
Dabei waren Nr. 12, ein dreigeschossiges Traufenhaus, und die Nr. 13 als klassizistisches Wohnhaus durchaus erhaltenswert.

 

Fleischerstraße 17 – das Glawe- & Stolte-Haus

Mit Aufbau, Umbau, Abriss und Neubau erfuhr die Fleischerstraße 17 im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Veränderungen, die letzte Anfang des 20.Jahrhunderts.
Im Erdgeschoss entstanden mehrere Läden mit großen Schaufenstern. Den Uralt-Greifswaldern ist vielleicht noch das Stoffgeschäft der Herren Glawe und Stolte in Erinnerung. Auch heute gibt es hier noch drei Ladengeschäfte.

 

Steinbeckerstraße 30 – ein Handtuchhaus

Handtuchhäuser haben schmale Giebel zur Straße hin, sind aber ziemlich tief nach hinten heraus gebaut. Sie sind typisch für mittelalterliche Bebauung und verkörpern einen multifunktionalen Haustyp der wohlhabenden Bürger in den Hansestädten.
Die heutige Fassade mit dem abgestuften Giebel stammt nach Umbauten aus dem 19.Jahrhundert, ebenso die Schaufenster des Erdgeschosses.

 

Domstraße 27 – das Juristenhaus

Dieses Eckgrundstück ging schon 1460 in den Besitz der gerade gegründeten Universität über und wurde auch gleich an den Universitätsnotar vermietet.

Später schrieb hier der Poesie-Professor Johann Seckervitz seine Pommernlieder.

Auch der Theologe und Historiker Kosegarten hat hier gewohnt. Wer genau hinschaut, erkennt am Westgiebel Spuren der Renaissance-Zeit.

 

Bebelplatz 1 – Die „Höhere Töchterschule“

Das repräsentative Gebäude aus gelben Backsteinen steht auf dem Wall und wurde 1872 als höhere Bildungsanstalt für Mädchen errichtet, als Nachfolgebau für die zu klein und marode gewordene Schule von 1833.
Heute ist die Bebelschule Teil des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums und erfüllt nach ihrer Sanierung moderne Bildungsstandards. Ein Blick in das Gebäude lohnt sich, denn man kann Deckenrosetten, Kapitelle, Stuckfriese und schmiedeeiserne Treppengeländer entdecken.